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Schilddrüsenfunktion – ist die alleinige Bestimmung des TSH-Wertes wirklich ausreichend?

Aktualisiert: 3. Sept. 2023

Das TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) gilt gemeinhin als der dominante Schilddrüsenfunktionstest und wird als simpler und effizienter Diagnoseparameter herangezogen. Diese isolierte und unangemessene TSH-Betrachtung ist jedoch zu hinterfragen.


Das Hormon TSH der Hirnanhangsdrüse regt die Schilddrüsenhormonproduktion an. Umgekehrt hemmen die Schilddrüsenhormone im Sinne einer negativen Rückkoppelung die Produktion und Ausschüttung von TSH. Oft wird von einer linearen Beziehung zwischen TSH und Schilddrüsenhormonen ausgegangen. Das heißt, bei ungenügender Hormonproduktion der Schilddrüse sollte TSH erhöht sein und bei überschießender Hormonproduktion sollte TSH erniedrigt sein.


Aber dieser TSH-Regelkreis ist nicht linear. Die Interaktion zwischen TSH und den SD-Hormonen ist komplex, multivariabel, konditional und höchst individuell (Hoermann R. et al., 2013 und 2015). Die TSH – Schilddrüsenhormonbeziehung wird von zahlreichen weiteren Rückkoppelungsschleifen beeinflusst sowie durch zahlreiche weitere Signale beziehungsweise Faktoren modifiziert.


Eine paar Beispiele (Liste nicht vollständig):

· Lebensalter (höhere TSH-Werte mit steigendem Lebensalter)

· Übergewicht

· Circadianer Tagesrhythmus (nächtlicher TSH-Anstieg zwischen 2:00 und 4:00 früh)

· Pulsatile Tagesschwankungen (mediane TSH-Pulsfrequenz von 13 Pulsen / 24 Stunden)

· Jahreszeit (saisonal bedingte höhere TSH-Werte während kalter Wintermonate)

· Menstruationszyklus (höhere TSH-Werte während Zyklusmitte)

· Schwangerschaft (TSH-Rezeptorstimulation durch hCG)

· Genetische Polymorphismen

· TSH-Agonisten oder Antagonisten

· TRH (Neuropeptid aus dem Hypothalamus)

· Neuromodulatoren (Dopamin, Somatostatin,…)

· Leptin

· Cytokine (Interleukin-6)

· Cortisol und Glukokortikoide

· Deiodinasen

· MCT8 und MCT10 (spezifische Transporter für SD-Hormone)

· CRYM (intrazelluläres T3-bindendes Protein)

· Jodversorgung

· Amiodarone

· Therapie mit Levothyrosin oder Trijodthyronin

· SD-Antikörper (TPO, TRAK)

· Rauchen

· Heparinartefakte

· Biotinartefakte

· Multiple andere SD-beeinflussende Substanzen oder Umweltschadstoffe


Fazit: das TSH dient lediglich als orientierender Schilddrüsenscreening-Test, ist für sich alleine aber kein ausreichendes Diagnostikum für klinische Therapieentscheidungen. Das heißt unbedingt zusätzlich mindestens die peripheren SD-Hormonwerte und natürliche das klinische Bild berücksichtigen.


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